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Kim Zimmer

Star der "Springfield Story" und Jodie Walker im California Clan.

Das Ende der Springfield StoryBearbeiten

Süddeutsche Zeitung, Do 17.09.2009

Licht aus

“Guiding Light”, die älteste Serie der Welt, hört auf

Letzten Endes haben sie Joshua Lewis also doch sterben lassen. Schon früher hatte ihn das Schicksal gebeutelt, ein paar Scheidungen hat er hinter sich, Samenraub, Inzest, und auch ein Geist hat ihn heimgesucht. Genutzt hat alles nichts. Auch Lewis ereilte das Schicksal aller TV-Charaktere – die Figur wird irgendwann aus dem Drehbuch entfernt. Weil die Rolle unbeliebt geworden ist oder weil der Plot eine Wendung nehmen muss. Robert Newmans Rolle ist also Geschichte, und für den Schauspieler ist es kaum ein Trost, dass seine Kollegen sein Schicksal teilen: Guiding Light, die Soap Opera, in der Newman den Patriarchen Joshua Lewis gab, geht den Weg jeder Fiktion. Nach genau 15672 Episoden ist sie zu Ende erzählt.

Anders, im gewinnorientierten Duktus der Senderchefs und Werbekunden, heißt das: Die Quoten haben nicht mehr gestimmt. An diesem Freitag wird CBS die letzte Folge von Guiding Light ausstrahlen. Mit der Entscheidung der TV-Oberen endet die am längsten laufende Serie der Welt. 1937 war sie im Radio gestartet, seit 1952 lief sie im Fernsehen und überdauerte einen Weltkrieg, mehrere Wirtschaftskrisen und zwölf US-Präsidenten. Die Show war von Anfang an als Werbeumfeld für Beauty-Produkte konzipiert. Auch heute gehören die Rechte noch dem Mischkonzern Procter & Gamble.

In Amerika landete Guiding Light lange unter den Top-Fünf-Quotenbringern im Tagesprogramm. Doch sanken die Zuschauerzahlen beständig. Immer wieder hatten die Produzenten versucht, sich den Begebenheiten anzupassen. Sie kürzten das Budget, produzierten Online-Spin-offs und ersetzten zuletzt die Studioumgebung durch Handkamera-Optik. Aber spätestens seitdem immer mehr Reality-Formate ins Programm schwappten, sahen sie sich auf verlorenem Posten. Die betagte Fiktion konnte nicht mit der neuen, gecasteten Realität mithalten. Billiger produzieren konnte die Konkurrenz sowieso.

Natürlich wäre es vermessen, nach 72 Jahren so etwas wie eine Inhaltsangabe zu geben. Im Verlauf der Zeit wurde geheiratet und gehasst, getötet und geboren, Dynastien entstanden und vergingen. Die Show musste zahlreiche dramaturgische Kniffe bereithalten, um den Spannungsbogen so viele Jahrzehnte lang aufrechterhalten zu können. Die Figur der Reva Shayne etwa, dargestellt von Publikumsliebling Kim Zimmer, schickten die Autoren gleich neunmal vor den Traualtar, sie war Prinzessin eines kleinen Inselkönigreichs, unternahm Zeitreisen und wurde sogar geklont. Nichts schien absurd genug, und der Cliffhanger war garantiert. 64 Emmys gewannen Soap und Darsteller so über die Jahre.

Neun Hochzeiten und ein Klon

Als CBS im April 2009 ankündigte, die Show nicht mehr erneuern zu wollen, hagelte es empörte Anrufe und Boykottdrohungen, doch alles Aufbegehren half nicht. Mittlerweile trösten sich die Zuschauer in Online-Selbsthilfegruppen. Vielleicht hilft ihnen, dass selbst das Ende der Show wie ein Plot aus einer Soap Opera wirkt: Da sind auf der einen Seite die sympathischen Hausbewohner, auf der anderen Seite steht der geldgierige Großkonzern, der sie rausklagen will. Tina Sloan, seit 26 Jahren Mitglied der Belegschaft, bemühte zum Abschied eine weitere Soap-Analogie. Sie fühle sich, als läge sie “im Koma und jemand würde den Stecker ziehen”. Und wenn die Fans nun zärtlich von “the light”, dem Licht, sprechen, das ihnen der Sender nimmt, transzendieren Ton und Wesen der Soap ein letztes Mal in die Wirklichkeit.

MICHAEL MOORSTEDT